Ästhetische und soziologische Raumanalyse des Suprematismus

Felix Stumpf

Wie konstituieren sich Räume? Die Soziologin Martina Löw definiert den Raum als „Beziehungsstruktur zwischen Körpern, welche ständig in Bewegung sind. Das heißt, Raum konstituiert sich auch in der Zeit. Raum ist demnach nicht länger der starre Behälter, der unabhängig von den materiellen Verhältnissen existiert, sondern Raum und Körperwelten sind verwoben. Der Raum, das heißt die Anordnung der Körper, ist abhängig vom Bezugssystem der Beobachter.“1 Somit spiegeln Räume aus soziologischer Sicht auch gesellschaftliche Strukturen wieder.

Welche Rolle bekommt die Ästhetik bei der Entstehung von Raum? „In den fortschreitenden Differenzierungsprozessen der modernen, industriellen Gesellschaft zeigt sich die Ästhetik als von fundamentaler Bedeutung.“2 Der Funktion der Ästhetik als Erkenntnissoperation der Wahrnehmung kam um 1900 eine weitere Ebene des „praktischen Potentials zur Gestaltung der Lebenswelt“ hinzu. Konfrontationen von traditionellen räumlichen Strukturen mit raumgreifenden, utopischen Entwürfen führten zu „Raum-Behauptungen“ und „Raum-Aneignungen“. Löw stellt den Raum und gesellschaftliches Handeln in einen direkten Zusammenhang. Der Mensch produziert und reproduziert ihn. Die Anordnung sozialer Güter durch menschliches Handeln konstituieren Räume. Bei der Zusammenfassung von Menschen und Gütern geht es auch um die Vorstellungs-, Wahrnehmungs-, und Erinnerungsprozesse. Die Kunst und Architektur bekommt mittels ihrer darstellenden Verräumlichung in der Konstitution gesellschaftlichen Lebens eine besondere Rolle. Besonders darstellend ist hierbei die ästhetische Gestaltung von Räumen. In ihr werden soziokulturelle Prozesse zum Ausdruck gebracht und vor allem Orte geschaffen mit welchen sich Menschen individuell identifizieren können. „Mit der Darstellung von Räumen wird nämlich zugleich auch ein Ordnungs- und Denksystem übertragen, dass sich nicht nur auf den architekturalen Raum, sondern zugleich auch auf den sozialen Raum bezieht.“ In meiner Hausarbeit versuche ich exemplarisch anhand der Kunstrichtung Suprematismus eine ästhetische, soziologische und historische Analyse der Raumentstehung vorzunehmen. Wie entwickeln sich im Bezug auf gesellschaftliche Ereignisse in der bildenden Kunst neue Raumanordnungen? Und wie entsteht anhand des Beispieles des Suprematismus der Übergang von zweidimensionalen in dreidimensionale Raumanordnungen?