Die gesellschaftliche Funktion der Kunst

Funktionssysteme und Reflexionssysteme nach Niklas Luhmann und Harry Lehmann, Robin Resch

Die moderne Gesellschaft, deren Phänomene und unterschiedlichsten Wissensbereiche in einer „universalistischen Supertheorie“ 1 zu beschreiben war Hauptanliegen der Luhmannschen Systemtheorie. Ziel seines ambitionierten Projekts war die Reduktion der weltlichen Komplexität durch Unterteilung der Gesellschaft in einzelne Funktionssysteme. So setzt sich seine umfassende Theorie aus der Beschreibung der Funktionssysteme Wirtschaft, Politik, Religion, Wissenschaft, Erziehungswisssenschaft und Kunst zusammen. Mit dieser ist es ihm gelungen eine neue und unbekannte Betrachtungsweise der modernen Gesellschaft zu schaffen, in der einzelne Funktionssystemen als unabhängige Teilbereiche agieren. Ein insgesamt plausibler Theorieansatz der jedoch auch Konsequenzen für eine gesellschaftliche Gesamtbetrachtung und davon betroffene Entscheidungsprozesse hat. Gerade im Bezug auf sein Bestreben die Kunst als eigenes Funktionssystem herauszustellen, lohnt sein Ansatz einer vertiefenden Analyse.
Die vorliegende Arbeit nimmt sich dessen an und möchte untersuchen, inwiefern der Luhmannsche Theorieansatz bezüglich der Kunst als eigenständiges Funktionssystem in Anbetracht der heutigen Zeit als sinnvoll erscheint. Das heisst auch die Folgen seiner funktionalen Differenzierung für die Gewinnung eines Gesamtbildes der Gesellschaft nachzuzeichnen und zu überlegen ob diese Ansicht für eine annähernde Bestimmung der Funktion von Kunst geeignet sein kann. „Die Kunst der Gesellschaft“ 2mit Kapitel 4 über die Ausdifferenzierung der Kunst als eigenständiges Funktionssystem dient hier als textliche Einordnung. Im ersten Teil der Arbeit werden die zentralen Charakteristiken eines Funktionssystem, also die Erläuterung seiner Theorie der autopoietischen Systeme und das der System-Umwelt Differenz näher erläutert. Darauf aufbauend erfolgt eine Beschreibung der Funktion der Kunst und deren Wandel im historischen Verlauf. Im Anschluss wird eine kurze Zusammenfassung der gesellschaftlichen Funktion der Kunst nach Harry Lehmann vorgenommen, der diese in seinem Werk „Die flüchtige Wahrheit der Kunst – Ästhetik nach Luhmann“3 herausarbeitet. Es sei angemerkt, dass um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu übersteigen lediglich eine knappe Darstellung der wesentlichen Argumente Lehmanns erfolgt. Danach wird eine kurze Differenzierung zwischen Funktionssystemen und Reflexionssystemen vorgenommen, welche abschließend in einer komparativen Gegenüberstellung mit Luhmann gesetzt wird.

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