Offene Werkstatt und Gespräch – Lukas Marxt

Montag, 11. November 2019, 17.30 Uhr
khb, Hörsaal

Appropriation and colonization of landscape (Die Strategien und Ästhetiken des Dokumentarischen)

Lukas Marxt

In seinen dokumentarisch-essayistischen Arbeiten macht sich Lukas Marxt auf die Suche nach Spuren in der Landschaft, oder schreibt selbst welche ein. In den Blick genommen werden geografische Nischen: urzeitliche vulkanische Geröllfelder auf Lanzarote, eine Ölbohrinsel in der Nordsee, eine Uranmine während einer Sonnenfinsternis, einen selten erwähnten See in Südkalifornien.

Sein Work-in-Progress The Target dokumentiert die Suche nach einer versunkenen Atombombenattrappe und erzählt die unterbelichtete Geschichte der pre-atomaren Tests, die in den 1940er Jahren im Rahmen des “Manhatten Projektes” stattfanden. Die Bombe ist Hauptprotagonistin, die Suche nach ihr—von ihrer Verladung am Wendover Airport und dem Abwurf vom Flugzeug, über Aufnahmen am Übungsziel bis zu dem Tauchgang und der geplanten Hebung am Boden des kalifornischen Salton Seas—der rote Faden. Was dabei rekonstruiert wird, ist ein Fall der Aneignung (‚appropriation’) und Kolonisierung der Landschaft im Anthropozän.

Marxt’s Arbeiten bedienen sich der Strategie und Ästhetik des Dokumentarischen, um Eingriffe in die Natur und unsere Umwelt zu untersuchen.  “Landschaft” und “Umwelt” versteht er als vielschichtiges Objekt, bei dessen Darstellung ein Machtverhältnis aufgegriffen wird. Landschaftsdarstellungen können daher, abhängig vom gewählten Blickwinkel und der erzählten Geschichte, die vorhandene Ordnung der Dinge kritisch thematisieren.