Politik / Poetik des Raumes

Eine politisch–künstlerische Recherche zur Mystifizierung der Stadtentwicklung Berlins
nach dem Mauerfall.

Do. 06/02/20 18.00 – 20.00 Uhr
Fr. 07/02/20 14.00 – 16.00 Uhr

im n.b.k. Neuer Berlin Kunstverein > Chausseestrasse 128/129

In der Ausstellung zeigen wir die künstlerischen Arbeiten aus dem diesjährigen Theorie-Praxis-Projekt im Studiengang MA Raumstrategien an der Kunsthochschule Berlin Weissensee.

kh-berlin.de/lehrangebote/show/politik-poetik-des-raumes-1149.html

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In seiner 1998 verfassten Erzählung Stadterfahrungen skizziert Henri-Pierre Jeudy Berlin in den frühen Wendejahren als eine Stadt „die an den Schuhen klebt“, ermüdet von den geschichtlichen Exzessen, die das Bestreben der Politik nach einer neuen, globalen Signifikanz über sich ergehen lässt. Um den Umbau der Stadt so erfolgreich wie möglich gestalten zu können, musste die Stadt gefällig zu erfassen sein, sich in einem vereinfachten Narrativ ihres stadtgeschichtlichen Erbes fügen.

Die Radikalität des Umbruchs, insbesondere das Städtische betreffend, wird zunehmend unsichtbarer und die Bewertung gerät erneut zwischen die ideologischen Fronten machtpolitischen Wirkens und den Wirkungsmechanismen der globalen Immobilienspekulation. Gegenwärtig verblassen die grundlegenden Verhandlungen, die Prozesse der Stadtpolitik und die Kultur der 90er Jahre neben dem beharrlich zitierten Erbe ökonomisch erfolgreicher Protagonist*innen und der Großprojekte.

Nach 30 Jahren Mauerfall schein der städtische Umbau aufgebarbeitet und die urbanen Räume – die früheren Möglichkeits- und Verhandlungsräume – sind verloren. Gefüllt wurden diese Orte mit Stadtansichten – stilistischen Chimären – die in ihrem architektonischen Wirken, eine „andere“ historische Stadtgeschichte heraufbeschwören. Diese Stadt „klebt“ weder an den Schuhen, noch verlangt sie neue Verhandlungen und Diskurse zur Stadt von morgen. Die 90er Jahre und die gleichzeitige Öffnung und Bespielung von „Vakuum-Landschaften“ in Berlin (Ost) findet in die Gegenwart kaum Übersetzung. Die künstlerischen Arbeiten der Studierenden sind daher erste Versuche raumstrategischer Interventionen, um sich diesen Jahren neu bzw. anders zu nähern.

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