Studium

Der weiterbildende Master-Studiengang Raumstrategien entstand aus dem Konzept einer architekturbezogenen und künstlerischen Praxis im städtischen Er antwortet auf die Notwendigkeit, den Begriff von „Raum“ und den Begriff von „Öffentlichkeit“ in einer sogenannten globalisierten Welt neu zu überdenken. Dies ist die Voraussetzung für eine kritische künstlerische Praxis in der Aktualität von öffentlichem Raum.
Wir fassen den Begriff „Raum“ als virtuellen, globalen und städtischen Raum auf. Wir möchten „öffentlichen Raum“ und künstlerisches Agieren darin mit der Aktualität dieser drei „Räume“ konfrontieren. Wir fragen, wie und wodurch Vorstellungen von z.B. Stadt, Partizipation, künstlerischer Interventionen, Architektur, Performativität, Kritik oder Kreativität in diesen drei Räumen geprägt sind.

Alle drei „Räume“ stellen Herausforderungen an uns, nicht nur wegen der Rasanz der globalen und technischen Vernetzungen, sondern vor allem wegen einer Neubestimmung des „Öffentlichen“ generell. Wie kann man die politische Verantwortung der/s einzelnen AkteurIn in diesen Räumen annoncieren, wenn die globalen Entwicklungen der letzten 20 Jahre das, was wir unter einer gemeinsamen Grundlage von „Öffentlichkeit“ verstehen – die demokratische Teilhabe an gesellschaftlichen Räumen, an Lebensräumen und an lebenswichtigen Resourcen – weitgehend untergraben haben?

Der Studiengang verbindet künstlerisches Arbeiten mit dem Bestehen auf öffentlichem Raum als Sphäre der demokratischen Teilhabe. Die Möglichkeiten dieser Praxis beruhen auf der Entwicklung von Urteilsfähigkeit. Kritik ist nicht per se da, man muss lernen, sie zu formulieren und sichtbar zu machen.

Angesprochen sind BewerberInnen aus allen künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Bereichen, aus Architektur und Stadtforschung und aus kultur-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen. Das Studium bietet eine Weiterqualifizierung an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis und Diskursen in Feldern wie Kunsttheorie / Kunstkritik, politischer Theorie und Kunstgeschichte, kritischer Stadtforschung, Migrationsstudien oder Automaten- und Computertheorie. Schlagwörter wie Artistic Research, Transdisziplinarität, Intervention und Artistic Curating sollen kritisch hinterfragt werden. In den Blick genommen wird dabei auch die eigene Studienstruktur als Teil des Bolognaprozesses, also als Teil eines Prozesses, der Wissen jenem Effizienzgehorsam unterwirft, der es für die Arbeitsmärkte anwendbar machen soll, die morgen schon wieder wegrationalisiert sind. Diese Ökonomisierung von Wissen verläuft parallel zur Ökonomisierung von Stadt, und es wird ein spannender Aspekt für uns sein, diese Parallelität zu erforschen – an der Stadt, an den virtuellen und globalen Räumen und an uns selbst.

Weiteres Ziel des Studiengangs ist deswegen die Entwicklung und Vorstellung einer eigenständigen künstlerischen oder kunstaffinen Praxis, die vor allem von Autonomie und politischer Sensibilität geprägt ist. Diese Praxis entspricht keiner der professionellen Kategorisierungen wie: StadtplanerIn, BildhauerIn, Interventions-, Performance-, InstallationskünstlerIn, QuartiermanagerIn, KulturmanagerIn oder KommunikationsdesignerIn. Vielmehr soll sie in Felder hineingetragen werden, in denen sich berufliche Tätigkeiten ohnehin oft quer und nicht gemäß vorgeplanter Berufsprofile entwickeln. Wir gehen insofern von einem grundsätzlichen künstlerischen und kritischen Potential aus, das in allen der oben angesprochenen Studien- und Berufsbereiche steckt.

Im Studiengang sind StudentInnen mit sehr unterschiedlichen kulturellen, nationalen und biografischen Hintergründen vertreten. Diese Diversheit ist eine große Chance, die oben erwähnten Themen durch die individuellen Erfahrungen der einzelnen StudentInnen konkret werden zu lassen.

Mit dem erfolgreichen Studium wird der Abschluss »Master of Arts« erworben.

Lehrende
Alice Creischer, Andreas Siekmann: Politische Theorie / Kunst im öffentlichen Raum
Stephan Mörsch: Migration Studies / Modelle
Michael Schwarz: Automatentheorie
Günter Nest, Elisa Bertuzzo: Intekultureller Vergleich, kritische Stadtforschung
Giulia Palladini: Performativtät im Raum

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Weißensee Kunsthochschule

Die Kunsthochschule Berlin-Weißensee ist einzigartig! Das Lehrangebot aus künstlerischen und gestalterischen Fachgebieten war bereits in den Anfängen, bei der Gründung vor über 50 Jahren, angelegt worden und erweist sich heute zeitgemäßer denn je. Obwohl sich die Studierenden für eine Studienrichtung entscheiden, starten sie mit einem einjährigen interdisziplinären Grundlagenstudium, auf dessen Basis sie sich spezialisieren. Für die Auseinandersetzung mit Themen und Ideen gibt es sowohl ein umfangreiches theoretisch-wissenschaftliches Angebot als auch die praktische und projektorientierte Arbeit. Beispiellos gute, fachgebietsübergreifende Arbeitsmöglichkeiten in elf Werkstätten runden das Angebot ab.

Der inhaltliche Austausch zwischen den Disziplinen ist bis zur Prüfung erwünscht und möglich. Das grenzüberschreitende Denken, die Verantwortung für gesellschaftlich relevante Fragestellungen, die Kooperationen mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen sind permanente Bestandteile des Studiums. Die Studentinnen und Studenten werden so vor immer neue Herausforderungen gestellt, die Fantasie, Kreativität und gesellschaftliches Denken erfordern und gleichzeitig an der Praxis orientiert sind. Eingebettet in ein regionales und internationales Netzwerk von Kooperationen und Partnern fördert die Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowohl Aspekte der Mobilität während des Studiums, als auch den interkulturellen Austausch , der sich unter anderem in einer hohen Zahl von Studierenden aus anderen Ländern ausdrückt.
Ein Studium an dieser Kunsthochschule bietet für all diejenigen, für die Kunst, Design und Gesellschaft zusammengehören, die idealen Ausbildungsbedingungen.

Leonie Baumann, Rektorin